"In jedem Knopfloch steckt ein ganzes Schicksal"
W. Shakespeare

Zur soziologischen Psychologie der Löcher
(Kurt Tucholsky, "Zwischen Gestern und Morgen")

SAMMLUNG HISTORISCHER KNOPFLÖCHER


Die hier gezeigten Exponate stammen größtenteils aus der nachgelassenen Sammlung Kaiser Bohleslaw des Anrüchigen und wurden erstmals 1783 unter dem Titel "Des Kaisers neue Knopflöcher" der Öffentlichkeit vorgeführt. Für die meisten Objekte liegen Echtheitsgutachten international anerkannter Experten vor, insbesondere solche von Prof. Masuhito Kobayama† von der Universität Kotogawa, Japan. Bitte beachten Sie, daß es sich bei den ausgestellten Exemplaren um die reinen Löcher handelt, die möglichst im Originalzustand sichergestellt und sorgfältig aufbereitet wurden, so daß insbesondere an den Rändern keinerlei Verunreinigungen durch Saumreste vorhanden sind. Allfällige Spuren von Fremdkörpern können jedoch u.U. den historischen Wert erhöhen.


Pyjamaknopfloch Friedrich des II.


Für die Echtheit dieses Knopflochs wurde 1954 ein Gutachten von Prof. Masuhito Kobayama†, Japan, erstellt. Drei Jahre später ergaben Halbwertszeit-Untersuchungen, daß es sich in Wirklichkeit um das dritte Luftloch der Lieblingsflöte des Königs handelte. Prof. Kobayama nahm sich seinen Irrtum so zu Herzen, daß er im Jahre 1959 freiwillig durch Harakiri aus dem Leben schied.

Fossiles Knopfloch

Sehr gut erhaltenes Exemplar, vermutlich aus dem mittleren Triolithikum. Fundort: Südliches Makkabrien. Da völlig vom Stein umschlossen, ist es mit freiem Auge nicht erkennbar und kann nur mit Hilfe des Laser-Lithoskops sichtbar gemacht werde. Soweit bekannt das älteste Knopfloch aus derzeit existierenden Sammlungen.

Kragenknopfloch Robespierres

Vermutlich das einzige noch existierende Knopfloch der Zeit der französischen Revolution.
Nur ein Fragment erhalten. Die unregelmäßige Schnittkante läßt starke Abnützungserscheinungen an der Guillotine erkennen.

Goethes letztes Knopfloch
(unvollendet)

J.W. v. Goethe pflegte seine Knopflöcher selbst herzustellen und ging dieser Beschäftigung besonders in den letzten Jahren seines Lebens mit Eifer nach. Das hier gezeigte Exemplar ist das letzte von sechs Knopflöchern seines Polsterüberzugs. Als er diese auf seinem Sterbebett in Arbeit hatte, fragte ihn Eckermann, wie viele er an diesem Tag noch machen wolle. "Nur noch eines," antwortet Goethe "mehr nicht". Seine letzten Worte wurden später irrtümlich mit "Mehr Licht" wiedergegeben.

Dr. Livingstones Geheimknopfloch

Der berühmte Afrikareisende, der später als verschollen galt, gehörte in England dem Geheimorden der "Moratorier" an, die als Erkennungszeichen ein unsichtbares Knopfloch am linken Rockaufschlag trugen. Als Stanley, dem dies bekannt war, im afrikanischen Busch auf eine Gruppe nackter Eingeborener stieß, in deren Mitte sich ein Weißer befand, der als einziger am linken Rockaufschlag kein sichtbares Knopfloch trug, erkannte er daran sofort den Gesuchten.



(Das Original wurde, wie hier beschrieben vernichtet)

Waffenrock-Knopfloch Napoleons

Eines der Prunkstücke dieser Sammlung. Es ist das dritte Knopfloch (von oben) jenes Waffenrocks, den Napoleon in den Schlachten von Austerlitz, Jena, Wagram und Leipzig trug. Die deutliche Deformation ist die Folge von Napoleons Gewohnheit, die rechte Hand ständig unter die Rockleiste zu stecken.

2 Hosenknopflöcher des Freiherrn von Zippendehl

S. E. Rudibert Frh. von Zippendehl war in der Zeit von 1843 bis 1847 Kaiserlicher Botschaftsrat in Izmir. Er verbrachte den Großteil seiner Freizeit in einem Nobelbordell in Kusadasi, wo auch die beiden Exponate aufgefunden wurden. Der Fund fällt in jenen Zeitraum, in dem der Botschaftsrat den nach ihm benannten Zippendehl-Verschluß (kurz Zipp-Verschluß) erfand.
(im Nonseum zu besichtigen)

Knopfloch des Geheimbotschafter Oxenblad

Im Jahr 1628 sank das schwedische Regalschiff Wasa im Stockholmer Hafen. Dabei ertrank der persönliche Emissär König Gustav des II. Adolf, Greve Siglund av Oxenblad, der dem kaiserlichen Feldherrn Wallenstein eine Geheimbotschaft überbringen sollte. Das hier gezeigte Knopfloch stammt aus der Innentasche seines Gehrocks. Es wurde erst vor wenigen Jahren von Tauchern geborgen und muß in einer Salzwasserlösung aufbewahrt werden, da es sich an der Luft sofort auflösen würde.

Apokryphes Knopfloch des Heiligen Martin

Als der Heilige Martin seinen Mantel mit einem Bettler teilte, behielt er die Hälfte mit den Knöpfen. Die Knopflöcher wurden später von den Erben des Bettlers zu Wucherpreisen im Fernen Osten abgesetzt. Lediglich das hier gezeigte Exemplar verblieb in Europa. Für die Echtheit dieses Knopflochs liegt ein Gutachten von Prof. Masuhito Kobayama vor, welches allerdings erst 1961, also zwei Jahre nach seinem Tod, ausgestellt wurde.

Staatsvertrags-Knopfloch
(Neuerwerbung)

Es handelt sich um das unterste Knopfloch jener Weste, die Außenminister Leopold Figl 1955 anlässlich der Staatsvertragsverhandlungen in Moskau trug. Die erkennbaren Flecken sind eingetrocknete Wodkatropfen. Dieses Objekt wurde erst kürzlich im Rahmen der Sendung "Licht ins Dunkel" ersteigert.

Unbekanntes Knopfloch

Das Bemerkenswerte an diesem Exponat ist die Tatsache, daß Herkunft und Entstehungszeit völlig unbekannt sind. Da auch Machart und Stil keinerlei Rückschlüsse ermöglichen, ist zur Zeit noch ungeklärt, ob es sich tatsächlich um ein Knopfloch handelt.

Galaanzug-Knopfloch von Prof. Masuhito Kobayama†

Wurde testamentarisch dieser Sammlung hinterlassen. Bemerkenswert ist der Messerstich im Zentrum.

(Ich habe hier nicht alle Knopflöcher abgebildet, da der wahre Knopflochsammler sich sowieso mit nichts weniger, als einem Original abgibt.)

Nicht unstolze Anm. d. Verfassers:


Bei dieser Sammlung historischer Knopflöcher (ShKl) handelt es sich (nach einer offiziellen Statistik der IAHBHCM, International Association of Historical Buttonhole Collectors and Museums) um die weltweit größte ihrer Art, und hat damit auch umfassendes ausländisches Interesse geweckt. So wollte z.B. die NBHS (National Buttonhole Society, USA) ihre bescheidene*) Sammlung durch den Ankauf dieser ShKl auf internationales Niveau heben. Aber - keine Angst, werte Kl-Sammler und -Freunde - wir veräußern unsere Sammlung nicht, auch nicht zu den beträchtlichen $-Summen, die unsere amerikanischen Museumskollegen aufzubringen imstande und bereit waren.

*) Wie in der renommierten deutschen Fachzeitschrift "Knopflochsammeln Heute" 3/96 p105 ff berichtet und durch eine Indiskretion von unterbezahlten Museumsangestellten publik geworden war (s. auch "Zentralblatt d. Südkaukasischen Kl-Sammelverbandes" 4/96 756ff), handelt es sich bei dem einzigen älteren Stück, das das Museum besitzt, um ein Knopfloch, das von der Paradeuniformjacke von George Washington oder Abraham Lincoln stammen muß. Der Zweifel über die Herkunft entstand dadurch, daß im Jänner 1995 beim Umzug des Museums von Reno, Nevada nach Fairbanks, Alaska **), durch einen kurzen Heizungsausfall im Transport-LKW alle Etiketten von den Kl abgefroren waren und außerdem ein Knopfloch verloren ging. Gerüchteweise (nach einem Informanten des Zentraltasmanischen ShKl-Verbandes) könnte es auch im Auftrag des japanischen Multimillionärs Masuhito Kobayama II, Neffe des gleichnamige Kl-Experten, gestohlen worden sein, der damit seine beträchtliche Privatsammlung ergänzt habe - aber das läßt sich kaum beweisen.

Tatsache ist, daß unsere amerikanischen Kollegen derzeit nicht einwandfrei feststellen können, ob ihr einzig verbleibender Museumshighlight nun von Washington oder Lincoln stammt. Und um das zweifelsfrei bestimmen zu können, müßte das Knopfloch, wie allgemein bekannt, natürlich in einer Raumstation einem technisch schwierigen und zudem horrend teurem Radiosisotopentest unterzogen werden (s. auch: "Journal of Buttonholes" 2/94-120ff "How to determine the origin of BHs by gravitation-free quantum spin resonance spectroscopy" by J.J.Knopfler). Nur die Transportkapazitäten von Esa und Nasa sind bis ins Jahr 2007 ausgebucht, und den russischen Raketen will die Museumsverwaltung ihr wertvollstes Stück nicht anvertrauen.

**) Der neue Standort des BH-Museum in Alaska ist nach wie vor umstritten. Die Mehrheit unserer amerikanischen Kollegen besteht noch immer auf ihrer irrigen (weil längst überholten) Meinung, daß sich historische Knopflöcher in kühler Athmosphäre länger halten als in anderen Klimazonen.
Aber das ist, wie der geneigte Leser dieser Seite oder der Abonnent von "Knopflochsammeln Heute" sicher weis, und unsere hervorragende Sammlung in diesem doch klimatisch milden Weinbaugebiet glänzend unter Beweis stellt, nicht der Fall, wie es auch (nebenbei bemerkt) von dem allseits anerkannten Untersuchungsergebnissen unseres lieben Freudes Pietro di Longhi in "Di conservazione di BH" (JoBH 2/89-277 ff) eindeutig bestätigt wird.


Für alle Leser dieser Seite, denen Kl-Sammeln bisher nicht so bekannt war oder die vielleicht Interesse an diesem spannenden Wissenschaftsgebiet gewonnen haben, und sich nun eingehender in diese komplexe Materie vertiefen möchten, können wird das, zwar nicht mehr aktuellste aber trotzdem umfassende Standardlehrbuch

"Knopflöcher im Wandel der Zeit-
Vom Lendenschurz zur Lederhose"

v. Immanuel K. Locherer-Nopfwald
o. Prof em, Institut f. experimentelle Knopflochforschung, Universität Leipzig
BHV 1962, ISBN 0815471-1, 9422 Seiten, ATS 8876,90

nur wärmstens empfehlen.

Wir möchten auf diesem Wege dem Professor, der in diesen Tagen seinen Neunziger feiert, noch viel Gesundheit und ein langes Leben wünschen, auf daß er seine Energie weiterhin voll in die Kl-Forschung stecken kann.

Als weiterführende Studie mit umfangreichen Literaturverzeichnis bietet sich die prämierte Doktorarbeit von Levy Strauss "Knopfloch, Reiß-, Klett- oder Schnürverschluß - Ein Vergleich" ISBN 0421322-7, 1996 im Klett-Kotta-Verlag erschienen und in jeder guten Universitätsbuchhandlung erhältlich, an.

Ferner bleibt dem eifrigen Sammler natürlich die Lektüre der periodischen Fachzeitschriften

sowie einiger weiterer nicht erspart.


Nach diesem kleine Exkurs in die faszinierende Welt des Knopflochs kehren wir mit Wehmut wieder zurück in die wahrlich wirre Wirklichkeit.

Zum Anfang aller DingeZurückSeitenanfang